St.-Paulus-Kirche zu Harsewinkel
Auszug aus der Geschichte der St.-Paulus-Kirche zu Harsewinkel
Die Harsewinkeler St.-Lucia-Kirche ist weitaus älter als das Kloster Marienfeld. In der Gründungsurkunde des Klosters Marienfeld wird St. Lucia dem Abt des Klosters unterstellt. Die Ansiedlung des Dorfes gruppierte sich um die Kirche am Abrocksbach.
Erst nach dem zweiten Weltkrieg wuchs Harsewinkel durch den Zuzug aus den Ostgebieten, aber auch aus dem Emsland (viele Arbeiter bei Claas). Durch die explosive Entwicklung der Bevölkerungszahlen in den fünfziger und sechziger Jahren stieg die Zahl der Katholiken auf nahezu 9 000 an. So gab es seit Anfang der sechzigerJahre Überlegungen und Bestrebungen, im damaligen Schwerpunktbaugebiet des "Rövekamp" eine neue Pfarre mit eigener Kirche zu gründen.
Mit diesem Auftrag wurde Kaplan Karl-Gerd Haggeney nach Harsewinkel versetzt. Schon bald nahm die Planung der neuen Pfarrei feste Formen an. Sie sollte das Rövekampgebiet umfassen, die Bauerschaft Überems und den westlichen Teil der Bauerschaft Rheda, wobei die Bahnlinie Harsewinkel-Versmold und der Moddenbach als Pfarrgrenzen festgelegt wurden.
Seit 1964 feierte man Gottesdienste in der Overbergschule, die danach Paulus-Schule und jetzt Astrid-Lindgren-Schule heißt. Nach der Fertigstellung der Realschule wurde nun auch sonntags im Atrium der Schule die hl. Messe gefeiert. Alle zuständigen Gremien beschlossen, dass die neue Pfarrei und das zu errichtende Gotteshaus den Namen des Völkerapostels Paulus tragen sollten.
In einer Feierstunde am 24. Juli 1966 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt, nachdem die Bauarbeiten am 1. Juni 1966 begonnen hatten.
Am 9. September 1967 konsekrierte Weihbischof Heinrich Tenhumberg (bald darauf Bischof von Münster) das neue Gotteshaus und übergab es der Gemeinde.
Zugleich wurde die Paulus-Gemeinde ein seelsorglich selbständiges Pfarrrektorat unter Leitung von Pfarrrektor Haggeney. Mit der Errichtung eines seelsorglich selbständigen Pfarrektorats wurde 1967 das westliche Stadtgebiet mit den Bauerschaften Rheda und Überems von St. Lucia abgetrennt.
Am 15. Februar 1968 erfolgte die Erhebung zur Pfarre; am 17. März wurde Karl-Gerd Haggeney als Pfarrer in St. Paulus eingeführt. Am 24. März 1968 wurde der erste Kirchenvorstand gewählt, am 5. Mai 1968 das erste Pfarrkomitee.
Alle Gremien und Gruppen gingen nun daran, ein lebendiges Gemeindeleben zu entfalten und die rund 3 000 Gemeindemitglieder an die neue Gemeinde zu binden.
Bereits als in den 1950er-Jahren das Wohngebiet am Rövekamp geplant wurde, hielt man eine Fläche für einen späteren Kirchbau frei. Dieser wurde dringlich, nachdem das Wohngebiet weiter nach Westen gewachsen war und auch viele Mehrfamilienhäuser entstanden waren. In einem Architektenwettbewerb entschied man sich für den Entwurf des Kölner Architekten Johannes Schilling.
Schon durch den Baukörper hebt sich die Paulus-Kirche von der umliegenden Bebauung ab. Wie eine Burg ragt sie empor. Von drei Seiten zeigen sich Treppenaufgänge. Ps 122: "Jerusalem, du starke Stadt, dicht gebaut und fest gefügt. Dorthin ziehen die Stämme hinauf, ...den Namen des Herrn zu preisen". Zum Gottesdienst kommen die Gläubigen von drei Seiten auf den Vor-Platz, der vom Pfarrheim, vom Pfarrhaus und von der Kirche umschlossen wird. Von da an öffnet sich die Tür zum Kirchenraum. Der Vor-Platz ist ein Ort für das Gespräch nach dem Gottesdienst, für Palmprozession, Osterfeier oder Gemeindefest. Auch Festgesellschaften bei Taufen und Trauungen nehmen diesen Platz, der von drei Seiten umschlossen, aber doch offen ist, gerne an.
Der Kirchenraum selber hat eine polygonale Struktur. Auch wenn er auf den Altar ausgerichtet ist, vermeidet er doch den Charakter einer Wegkirche oder einer lang gestreckten dreischiffigen, nach Osten ausgerichteten Kirche wie die Mutterkirche St. Lucia. Der Kirchenraum ist nicht symmetrisch, sondern öffnet durch verschiedene Einbauten und Ausbauten jeweils neue Perspektiven. Er bildet einen großen feierlichen Raum ohne Säulen und Pfeiler. Auch von innen entsteht durch die hohen roten Klinkerwände eine warme Atmosphäre. An den Kanten der Wände bildet sich durch Vorkragungen von Klinkern so etwas wie ein Zopfmuster, so dass die Mauerscheiben in sich sehr deutlich zutage treten und wie lose verzahnt wirken..
Seelsorgeeinheit
Gegründet am 30. August 2009 bestehend aus:
- St. Lucia, Harsewinkel
- St. Paulus, Harsewinkel
- St. Johannes d. T., Harsewinkel (Greffen)
- Unbefleckte Empfängnis (St. Marien), Harsewinkel (Marienfeld)
Die Seelsorgeeinheit (Pfarreigemeinschaft) wurde aufgelöst mit der Fusion im April 2014.
Fusion
- 27. April 2014: Zusammenlegung (Fusion) von Harsewinkel St. Lucia (wird Pfarrkirche), St. Paulus, Greffen St. Johannes der Täufer und Marienfeld St. Marien Unbefleckte Empfängnis zur neuen Pfarrei Harsewinkel St. Lucia
Nachfolger
- Harsewinkel St. Lucia [Neugründung mit der Fusion 2014]; Diözese: Bistum Münster
- 9.432 Katholiken (Stand: 31.12.2024)
Heutige kommunale Zugehörigkeit
- Stadt Harsewinkel (PLZ 33428), Kreis Gütersloh (früher [Alt-]Kreis Warendorf)
Die St.-Paulus-Kirche zu Harsewinkel
- Bau und Ausstattung der Kirche -
St.-Paulus-Kirche:
1966-67, - Gestaffelter Zentralbau auf polygonalem Grundriß mit Flachdecken unter Flachdächern, eingezogener Nordpstchor mit 4/6 Schluß, durch Lichtkuppel akzentuiert, polygonaler Turm im Norden faßt im Erdgeschoß Taufkapelle, polygonale Nische im Osten faßt Tabernakel, eingeschossige Sakristei im Westen unter Satteldach; rotes Ziegelmauerwerk.
Architekt: Hans Schilling, Köln
Bauunternehmer: Firma Peter Büscher & Sohn, Münster
Bauleitung: Bernhard Ströer, Architekt, Harsewinkel
Erdarbeiten: Firma Lakebrink, Harsewinkel
Baukosten: 1,5 Millionen DM (Schätzwert)
Die Kirche wurde erbaut auf dem ehemaligen Grundstück Wöhle an der Kolpingstraße (heute Paulusstraße)
- 14. Oktober 1965 - zustimmender Beschluß des Kirchenvorstandes von St. Lucia unter Vorsitz von Dechant Markforth
- 28. Dezember 1965 - zustimmender Beschluß des Bischöflichen Generalvikariats
- 28. Februar 1966 - Erteilung der Baugenehmigung
- 18. April 1966 - Vergabe der Bauarbeiten an die Firma Peter Büscher & Sohn, Münster
- 31. Mai 1966 - Einrichtung der Baustelle
- Die Grundsteinlegung erfolgte am 24. Juli 1966 durch Dompropst Clemens Echelmeyer, Münster.
- Kirchweih am 9. September 1967 durch Weihbischof Heinrich Tenhumberg (bald darauf Bischof von Münster).
- 6. Oktober 1966 - Richtfest
Sitzplätze
früher 450 Sitzplätze; heute ca. 350 Sitzplätze
Altar - Ambo - Taufbrunnen - Tabernakel - Priestersitz - und Sockel für Skulpturen
- Material: alles aus Aachener Blaustein.
Altar
- Reliquien: Im Unterbau des Altares befinden sich Reliquien der hl. Ursula von Köln und des hl. Märtyrers Nicostratus.
- Entwurf: Hans Schilling BDA Köln.
- Material: aus Aachener Blaustein.
- Altar Hersteller: Firma Jacobi, Anröchte
- Altar Gewicht: ca. 80 Zentner
Kreuzweg
Entwurf und Ausführung: Franz-Josef Strothmann, Harsewinkel.
Glocken
3 Glocken:
- a’, 92 cm, Bronze, 1969, Eifeler Glockengießerei, Brockscheid.
- h’, 82 cm, Bronze, 1969, Eifeler Glockengießerei, Brockscheid.
- d”, 68 cm, Bronze, 1969, Eifeler Glockengießerei, Brockscheid.
Orgel
Muhleisen-Orgel in St. Paulus
Orgel (um 1960, 1977 erworben), 22 Reg., elektrische Schleifladen, Walcker, Murrhardthausen.
- Gewicht der Orgel: ca. 9.600 kg
- Zinn: 1.500 kg
- Blei: 800 kg
- Sonstige Werkstoffe: ca. 120 Schaf- und Ziegenfelle, 110 Liter Holzleim, 80 m2 Zeichnungen
- Höhe des Mittelturmes: 10,20 m
- Höhe der Seitentürme: 9,08 m
- Anzahl der Pfeifen: 2.600, davon aus Holz 151
- längste Pfeife: C der Bombarde 32" ca. 10 m
- kürzeste Pfeife: a'" der Quinte 1 1/3 " ca. 10 mm
- Weite der längsten Pfeife: 320 mm (C der Bombarde 32´)
- Länge der größten sichtbaren Pfeife: 6 m (C 16', Montre 16' im Mittelturm)
Disposition:
Georges Walther, Andre Schaerer in Zusammenarbeit mit Karsten Storck, Klemens Fölling und Benedikt Claas
| I Grand Orgue | III Récit expressif | ||
| Montre | 16' | Bourdon | 16' |
| Principal | 8' | Diapason | 8' |
| Flûte | 8' | Flûte à chem. | 8' |
| Viole | 8' | Gambe | 8' |
| Bourdon | 8' | Voix Céleste | 8' |
| Octave | 4' | Prestant | 4' |
| Flûte | 4' | Flûte octav. | 4' |
| Doublette | 2' | Nazard | 2 2/3’ |
| Fourniture | 2 2/3’ | Flageolet | 2’ |
| Fourniture | 1 1/3’ | Tierce | 1 3/5’ |
| Cornet V | 8’ | Plein Jeu IV | 2’ |
| Bombarde | 16’ | Cor Anglais | 16’ |
| Trompette | 8’ | Tromp. harm | 8’ |
| Clairon | 4’ | Hautbois | 8’ |
| Clairon | 8’ | ||
| Carillon | |||
| II Positif | Pedal | ||
| Flûte | 8’ * | Bourdon | 32' |
| Prestant | 4’ * | Montre | 16’ * |
| Nazard | 2 2/3’ * | Soubasse | 16’ |
| Principal | 2' | Principal | 8’ * |
| Quinte | 1 1/3’ | Bourdon | 8‘ * |
| Clarinette | 8' | Octave | 4’ * |
| Bombarde | 32’ | ||
| Bombarde | 16’ * | ||
| Trompette | 8’ * | ||
| Clairon | 4’ * | ||
(* = Transmission)
Spielhilfen: Tremulant auf Récit und Positif (gemeinsam)
Koppeln (als Fußtritte): I/P, II/P, III/P, II/I, III/I, III/II
Setzeranlage mit 18.000 Kombinationen und Sequenzschaltung
Disposition: Georges Walther, André Schaerer in Zusammenarbeit mit Karsten Storck, Klemens Fölling und Benedikt Claas
Quellen - Literatur:
- Kath. Kirchengemeinde St. Paulus (Hrsg.), 25 Jahre St. Paulus Harsewinkel. 1992.
- Kath. Pfarramt St. Paulus (Hrsg.), Kirchenführer: St. Paulus Harsewinkel zum 40jährigen Jubiläum. 2007.
- Axel Thiesbrummel: Kirchenführer: Kath. Pfarrkirche St. Paulus Harsewinkel.1967-1992.
- Walter Werland: 1000 Jahre Harsewinkel. Zur Heimatgeschichte der Stadt an der Ems, Münster 1965.
- Pfarrarchiv St. Lucia Harsewinkel
Navi-Adresse:
St. Paulus
Wibbeltstraße
33428 Harsewinkel
Öffnungszeiten:
nur zu den Gottesdiensten
(sonst geschlossen!)
Regelmäßige Gottesdienste in der Pfarrkirche St. Lucia
Samstag
18:30 Uhr Eucharistiefeier
Dienstag
09:00 Uhr Eucharistiefeier
Donnerstag
17.30 Uhr Eucharistische Anbetung
Freitag
18.30 Uhr Rosenkranzgebet
19:00 Uhr Eucharistiefeier
(Änderungen möglich! - Bitte die aktuelle Gottesdienstordnung beachten!)